In seinem ersten Brief an die Thessalonicher gibt der Apostel Paulus die Anweisung: „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch.“
Offensichtlich ist Gebet wichtig. Die Schrift sagt “betet ohne Unterlass“, so sollte unser ganzes Leben Gebet sein; das ist klar. Auf dem Bruderhof sagen wir oft: „Unsere Arbeit ist Gebet.“ In unseren Grundlagen unseres Glaubens und unserer Berufung steht: „Die Arbeit kann nicht vom Gebet und das Gebet nicht von der Arbeit getrennt werden. So ist unsere Arbeit auch Gottesdienst, da unser Glaube und Alltag ein einziges Ganzes bilden.“ Dieses Verständnis stammt direkt aus der Bibel: Im Brief an die Kolosser schreibt Paulus „Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, denn ihr wisst, dass ihr von dem Herrn als Lohn das Erbe empfangen werdet. Dient dem Herrn Christus!”
Falsch verstanden – auf faule, selbstzufriedene oder bequeme Weise – kann dies jedoch zu einer abgedroschenen Ausrede werden, um sich nicht bewusst Zeit zu nehmen, mit Gott zu sprechen und, was noch wichtiger ist, auf ihn zu hören.
Üblicherweise hat der Bruderhof bisher keine festen täglichen Gebetszeiten praktiziert, sondern es vorgezogen, in unserem nicht-liturgischen, anabaptistischen Stil1, immer dann zu beten, wenn wir zusammenkommen – sei es bei den Mahlzeiten, bei Gemeinschaftsarbeitsprojekten, bei Mitgliederversammlungen und natürlich bei unseren Gottesdiensten.
Aber kürzlich haben uns einige Bibelstellen angesprochen, vom Brief an die Thessalonicher und auch der grundlegende Vers aus Apostelgeschichte 2 („Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“), sowie mehrere Geschichten über den Propheten Daniel (erinnert euch, er wurde in die Löwengrube geworfen, weil er betete). Wir begannen wir uns zu fragen: Nehmen wir das Gebet ernst genug? Und wenn nicht, was sollten wir nun tun?
In unseren wöchentlichen internationalen Telefonkonferenzen mit Pastoren und Gemeindeleitern unserer Bruderhof Bewegung, sowie in lebhaften Mitgliederversammlungen tauschten wir uns darüber aus. Uns wurde bewusst, dass weltweit viele Christen anderer Kreise und Kirchen ihr tägliches Gebet ernster und konsequenter praktizieren. Wenn wir uns nach einer Erneuerung durch den Heiligen Geist sehnen, wenn wir wünschen, dass das Licht Christi in unseren Herzen brennt, wenn wir das Salz der Erde, eine Stadt auf dem Berg sein wollen, dann haben wir vielleicht noch mehr geistliche Arbeit zu tun! In diesem Sinne haben die meisten Bruderhof-Gemeinschaften im vergangenen Monat damit begonnen, sich täglich zum Beten zu treffen, zusätzlich zu unseren sonstigen Zusammenkünften.
Die Teilnahme ist nicht verpflichtend, aber hier auf dem Gutshof kommen fast alle von uns an den meisten Tagen zu unserem Gebetstreffen, das wir direkt vor Beginn unseres Arbeitstages abhalten. (Andere Bruderhof-Gemeinschaften haben andere Tageszeiten gewählt.) Wir entdecken neue Arten des Gebets, darunter keltische Formen aus den täglichen Gebetsbüchern der Northumbria-Gemeinschaft, und erweitern unser Vokabular, um verschiedene Arten des Gebets einzubeziehen (Anbetung, Dank, Bitte, Fürbitte und mehr), wie sie unter anderem in Tyler Statons ausgezeichnetem Buch „Praying Like Monks, Living Like Fools“ beschrieben sind. An manchen Tagen bringt jemand einen bedeutungsvollen Bibelvers mit, den wir laut vorlesen, oder eine weitere Inspiration eines christlichen Autors oder Denkers. An manchen Tagen sprudeln unsere Worte zu Gott nur so heraus, und wieder andere Tage verbringen wir größtenteils in Stille, öffnen unsere Herzen, um auf Gottes Stimme zu hören.
Dabei sind die einzelnen Aspekte nicht so wichtig: Entscheidend ist vielmehr, dass einmal am Tag unsere Herzen in jeder Bruderhof-Gemeinschaft weltweit dem Herrn direkt zugewandt sind. Wie Jesus den Jüngern in Johannes 16 sagte: „Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei.“ Ich finde es spannend, jetzt mehr im Gebet zu erbitten, und an den meisten Tagen kann ich wirklich Seine Freude spüren, wie Er es versprochen hat.
(siehe Grundlagen #84)





